Lebst Du noch oder bist Du schon cyberkrank?

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6. Juni 2016, Kaufleuten Zürich; Der Kaufmännische Verband Zürich lud gestern Interessierte zu einer besonderen Veranstaltung mit dem Titel „Cyberkrank – Chancen und Gefahren“ ins Kaufleuten ein. Konkret ging es um die Nutzung von Smartphone, Tablet & Co und wie diese Geräte unsere Gesundheit und Intelligenz negativ beeinflussen können.

Die Digitalisierung unseres Alltags schreitet immer weiter voran – mit fatalen Auswirkungen. Anhand neuer wissenschaftlicher Studien zeigte der renommierte Gehirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, in welchem Mass diese Entwicklung unsere Gesundheit bedroht. Wir werden cyberkrank, wenn wir den digitalen Medien die Kontrolle aller Lebensbereiche überantworten, stundenlang Online Games spielen und in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Stress, Empathieverlust, Depressionen sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen sind die Folgen. Kinder werden in ihrer Motorik und Wahrnehmungsfähigkeit geschädigt.

Es war wirklich ein interessanter Vortrag, bei dem mir vor allem drei Dinge im Gedächtnis geblieben sind:

Kurzsichtigkeit. Kürzlich wurde erforscht, wie sich das menschliche Auge entwickelt. Dabei wurde herausgefunden, dass Babys zunächst nur unscharf sehen und das Auge erst mit der Zeit den genauen Schärfepunkt bestimmt. Für eine gesunde Entwicklung der Augen ist jedoch ein ausgewogenes Mass an Fern- und Nahsicht notwendig. Schauen Kleinkinder nun vermehrt auf ein Smartphone oder Tablet hat dies unmittelbare Auswirkungen auf ihr Sehvermögen – sie werden kurzsichtig. Dieses Phänomen ist anhand verschiedener wissenschaftlicher Studien belegt.

Ablenkung und Suchtgefahr. Jugendliche selbst geben an, dass sie von ihrem Telefon genervt sind, es sie stresst und ablenkt. Sie können sich nicht mehr so gut konzentrieren, weil sie ständig mit einem Ohr am Smartphone hängen. Auch die Suchtgefahr, also das Gerät nicht einmal ausstellen zu können, um sich einer anderen Sache ganz und gar zu widmen, ist sehr gross.

Schlafstörung. Ein anderes Phänomen ist eine Schlafstörung, die durch den hohen Blauanteil im Licht der Bildschirme hervorgerufen wird. Der Mensch hat für blaues Licht Rezeptoren, die dem Bewusstsein mitteilen, ob es Tag oder Nacht ist. Schaut man nun intensiv auf ein Display am späten Abend, wird dem Gehirn suggeriert, es sei Tag. Dementsprechend schlecht lässt es sich dann einschlafen oder überhaupt schlafen. Übrigens: Apple scheint dieses Phänomen zu kennen. Seit dem iOS Update 9.3 gibt es einen neuen Nachtmodus, bei dem das Display zur Nacht hin automatisch in wärmeren Farbtönen erscheint. Es wäre nun interessant, eine Studie zu diesem Thema durchzuführen, um herauszufinden, ob sich aufgrund der wärmeren Displayfarben tatsächlich positive Effekte erzielen lassen.

Weitere Informationen zu diesem Thema lassen sich in Manfred Spitzers gleichnamigen neuen Buch finden: Cyberkrank!: Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert


Wer Herrn Spitzer gestern Abend nicht live erleben konnte, für den habe ich auf Youtube ein paar Videos über das Thema „Cyberkrank“ gefunden:

Cyberkrank – Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer im NuoViso Talk

Vortrag Manfred Spitzer:
Cyberkrank – wie das digitale Leben unsere Gesundheit ruiniert


Einige Impressionen aus dem Kaufleuten (6. Juni 2016)

Fotos: John-Miles Gerst

 


Infos zur Person

Herr Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer studierte in Freiburg Medizin, Psychologie und Philosophie. Nach seiner Promotion in Medizin und Philosophie und seiner Habilitation für das Fach Psychiatrie war er als Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg tätig.

Drei Forschungsaufenthalte in den USA an der Harvard University und der University of Oregon prägten das weitere wissenschaftliche Werk von Manfred Spitzer an der Schnittstelle von Neurobiologie, Psychologie und Psychiatrie. Seit 1997 ist Manfred Spitzer Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. 2004 gründete er das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), das im Bildungsbereich sowohl Grundlagenforschung betreibt als auch Bildungseinrichtungen evaluiert und sie bei der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Arbeit begleitet. Manfred Spitzer ist Autor zahlreicher Bestseller.

www.braindate.ch

 


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