Datenschutz – Staatssache, Privatsache oder doch eher Ansichtssache?

| Public Relations

2016 wird es voraussichtlich weltweit mehr als 3,4 Milliarden Internetnutzer geben. Es werden immer mehr Daten gesammelt – manche davon werden freiwillig preisgegeben, andere unwissentlich abgeschöpft. Smartphone Apps sind besonders gierig und führen Buch über Gesundheitszustand oder Standort einer Person.



Eine Entwicklung, die faszinierend und erschreckend zugleich ist: Der technologische Fortschritt rast und die Vielfalt neuer Applikationen ist beachtlich. Es scheint kein Tag zu vergehen, an dem nicht eine neue Funktion herauskommt, die Daten ausliest, vernetzt, wieder zusammenfügt, vergleicht oder ausgewertet, um zu funktionieren. Datenschutzgesetze in der Schweiz gibt es seit rund 20 Jahren. Interessanterweise wird diese relativ junge Rechtsnorm viel stärker von lokalen Wertsystemen und dem Zeitgeist beeinflusst als von Objektivität. Besonders deutlich wird dies im Vergleich mit den USA: Amerikaner fürchten den Staat und sehen in neuen Technologien vor allem wirtschaftliche Chancen. Europäer sehen im Staat einen Garanten für Sicherheit und Recht und in neuen Technologien in erster Linie eine Bedrohung traditioneller Werte.

Staatssache. Aber welchen Schutz kann einem der eigene Staat überhaupt zusichern, wenn das Netz quasi überall ist? Welches Recht ist beispielsweise anzuwenden, wenn die Website in einem anderen Land gespeichert ist oder das Unternehmen in einem anderen Land den Firmensitz hat? Das Datenschutzgesetz des Bundes regelt in erster Linie die Handhabung der Daten durch Bundesbehörden sowie im privaten Bereich in der Schweiz. Daten, die eine Profilbildung erlauben, werden als besonders schützenswerte Daten deklariert. Es handelt sich hierbei also um Daten, die im Inland erhoben und unter Umständen gespeichert werden und auf deren Nutzung man unter Umständen wenig Einfluss hat – wie Banktransaktionen.

Privatsache. Durch die Nutzung von sozialen Plattformen und Apps auf dem Smartphone, aber auch allein durch das Surfen im Web werden Daten in mehr oder weniger grossem Umfang ausgelesen: der Preis des Komforts. Die iCloud-Funktion von Apple und andere Clouds von grossen Unternehmen wie Google und Amazon mögen sehr komfortabel sein, beispielsweise aufgrund der Synchronisation von Kontakten, Adressbüchern, Lesezeichen und so weiter. Jedoch sollte sich jeder, der diese Clouds nutzt, darüber im Klaren sein, dass seine Daten auf irgendeinem Server, der sich meist im Ausland befindet, gespeichert werden. Nutzerinnen und Nutzer wissen weder wo, noch wer darauf Zugriff hat, noch wie diese Daten ausgewertet werden könnten. Es sind sogar ganze Gerätebackups in der Cloud möglich, in denen alles gespeichert wird, von Gesprächsverläufen bis hin zu allen Passwörtern. Daher sollte sehr gut überprüft werden, welcher Webseite, welchem Dienst oder Gerät man was gestattet.

Alles Ansichtssache. Das Datensammeln sowie der Datenschutz sind ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite können diese Daten dazu verwendet werden, das Leben einfacher zu machen. Auf der anderen Seite lassen sich alle Daten theoretisch einer Person zuweisen, woraus sich ein sehr genaues Profil erstellen lässt. Der beste Schutz ist, sich bewusst zu sein, dass im Internet jeder und alles öffentlich ist. Es gibt keine Privatsphäre, auch wenn es zahlreiche Schutzmechanismen gibt. Ein falscher Klick, eine vergessene Einstellung, ein gehacktes Passwort, schon landen Daten dort, wo sie nicht landen sollen. Der beste Datenschutz ist noch immer der bewusste Umgang mit den eigenen Daten.

<hr>

Tipps für mehr Datenschutz im Netz

– Keine realen Namen nutzen, wo es nicht nötig ist (Business-Profile ausgeschlossen).

– Regelmäßig die eigenen Profildaten überprüfen. Wer kann welche Daten sehen?

– Wissen Sie bei jedem Kontakt auf Ihrer Freundesliste, wer sich dahinter verbirgt? Keine Kontakte annehmen, die man nicht persönlich kennt.

– Persönliche Kontaktdaten nicht angeben oder falls nötig, diese in den Privatsphäre-Einstellungen nicht für alle freigeben.

– Bei der Nutzung von Apps darauf achten, was die App für Informationen abfragt (Standort, Kontakte, Mikrofon, Kamera und so weiter).

– Nutzen Sie in Ihrem Browser kostenlose Erweiterungen, die das Auslesen von Informationen verhindert (DoNotTrackMe und ShareMeNot für Firefox).

– Für jeden Login sollte ein anderer Benutzername, zumindest aber ein anderes Passwort genutzt werden. Es gibt Apps, mit denen sich sichere Passwörter generieren und speichern lassen.

– Keine unbekannten Mails öffnen / niemals Passwörter oder Login-Daten preisgeben.

– Ab und zu nach dem eignen Namen googeln, um zu sehen, was ein Fremder sieht.

 

Lesen Sie andere Beiträge dieser Ausgabe auf der Website des Kaufmännischen Verbandes in Zürich:
kfmv-zürich.ch

 

 

 


Noch keine Kommentare

Diskutieren Sie mit und schreiben Sie ein Kommentar

*