Arbeitgeberbewertungen: «Naming und Shaming» von Unternehmen

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Früher war es ausschliesslich Unternehmen vergönnt, sich über Bewerberinnen und Bewerber detailliert zu informieren, beispielsweise mit einem Anruf bei einem früheren Vorgesetzten. Inzwischen können auch Arbeitnehmende den künftigen Arbeitgebenden genauer unter die Lupe zu nehmen – im Internet. 

Bewertungsplattformen wie kununu.com erlauben den ungeschönten Blick auf Arbeitsbedingungen, Umgang mit den Mitarbeitenden, Vorgesetztenverhalten und vielem mehr. Sie wirken den schöngefärbten Marketing-Floskeln auf Online- Job-Plattformen oder Internetseiten entgegen, können diese aber auch bestätigen. Jedoch ist kununu.com (gegründet 2007), wie alle anderen Bewertungsplattformen des Mitmachwebs 2.0, ein riesiges Sammelsurium subjektiver Meinungen. Diese stammen aus allen Abteilungen: von der Produktion bis zur Geschäftsleitung. Meinungen können ausserdem anonym abgegeben werden und sollen so zu authentischen, ungeschönten Aussagen verhelfen. Auf der anderen Seite birgt dies ein Risiko, dass Bewertungen von Leuten stammen könnten, die noch nie bei der Firma angestellt waren. Ersichtlich ist so etwas für den Betrachter nicht. 

Zwischen den Zeilen lesen. Aus diesem Grund sollten Arbeitnehmende nicht alles glauben, was auf solchen Plattformen geschrieben wird oder es zumindest kritisch hinterfragen. Neben den authentischen Bewertungen gibt es auch Schönfärbereien, was eher dem Engagement der jeweiligen Unternehmensabteilung (Employer Branding) zuzuschreiben ist. Meist wird hier alles positiv bewertet. Anders Bewertungen, in denen alles schlecht ist. Dies wiederum lässt auf einen Mitarbeitenden schliessen, welcher ein persönliches Problem mit einem Vorgesetzten oder der gesamten Firma hat. Das ist besonders hart für kleine Firmen mit nur wenigen Mitarbeitenden, denn die Gesamtbewertung eines Unternehmens kann von einer geringen Anzahl Bewertungen stark verzerrt werden. Es empfiehlt sich daher, alle Rezensionen in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Wiederholen sich gewisse Äusserungen immer wieder und über einen längeren Zeitraum, sind diese glaubwürdig. Bewertungen, die aus dem Rahmen fallen ‒ sowohl positiv (Selbstmarketing des Unternehmens) als auch negativ (Rachefeldzug eines Ex-Mitarbeiteden) können auf diese Weise leicht enttarnt werden.

Dialog statt Monolog. Wie bei Social Media Plattformen üblich, sollte die Kommunikation im Dialog stattfinden. kununu.com bietet Unternehmen die Möglichkeit, zu den Mitarbeiterbewertungen Stellung zu nehmen – bei einer positiven Bewertung kann sich für die gute Zusammenarbeit bedankt werden, aber auch negative Bewertungen oder falsche Behauptungen lassen sich so entkräften bzw. richtigstellen.

Stimmungsbarometer. Mittlerweile haben sich Arbeitgeberbewertungen als wichtiges Tool zum Employer Branding etabliert und sind alles in allem eher positiv für Firmen. Informationen, die früher nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Mitarbeitenden weitergegeben wurden, können Unternehmen nun schwarz auf weiss nachlesen. Auch wenn es manchmal schmerzt: eine Geschäftsleitung, die ein offenes Ohr für ihre Mitarbeitenden hat, wird viel Nützliches aus den Bewertungen ziehen. Gelingt es dem Unternehmen, Schwachstellen auszumerzen, wird die Attraktivität automatisch steigen.

Fazit. Letztendlich sollte jeder Bewerber auf sein Gefühl hören und auch die Erfahrungen im Bewerbungsgespräch, die Wirkung der Firma sowie den ersten Eindruck der Mitarbeitenden in die Entscheidungsfindung mit einfliessen lassen. Authentische Bewertungen lassen sich oft auch daran erkennen, dass Verbesserungsvorschläge enthalten sind und es sowohl negative als auch positive Elemente gibt. Übrigens: auf kununu.com lässt sich auch das Verhalten eines Unternehmens gegenüber Bewerbern und Lehrlingen bewerten und nachlesen.

 

 

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kfmv-zürich.ch

 

 

 


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